Fußnoten Waldenser
- Die Matrix mit der Zuordnung der ersten 30 Antworten zu den Komponententeilen findet sich als Beispiel und die entsprechende Matrix zu der Einordnung aller 73 Antworten zu den Hauptkomponenten vollständig im Anhang dieser Arbeit.
- Um die Bezeichnungen für die Varianten von den gleichnamigen Substantiven zu unterscheiden, werden die Varianten unterstrichen.
- Eine definitive Aussage über die reale Zugehörigkeit einer Person zu einer bestimmten Variante kann natürlich nicht allein anhand der vorliegenden Antworten zu der Frage nach dem Waldensersein getroffen werden. Es geht hier hauptsächlich darum, die verschiedenen Beschreibungen zu typisieren und den kulturellen Varianten zuzuordnen.
- In Kombination mit dem Glauben, ohne Besetzung von "Eigene Kultur" bzw. "Waldensische Werte", wurde Geschichte immer nur zusammen mit dem Minderheitenbewußsein angegeben.
- In der Waldenserkirche werden die Konfirmanden - im Vergleich zu Deutschland - relativ spät im Alter von 18 Jahren konfirmiert.
- Der Begriff Krypto stammt aus dem Griechischen und bedeutet: verborgen, geheim.
- "Er erinnert daran, Enkel eines Waldensers zu sein und mit einer seiner Verzerrungen, die offensichtlich Teil seiner Art sich vorzustellen sind, vergleicht er seine Geschichte mit der seines Vorfahren." [Übersetzung S.M.L.]
- Bei dem Gespräch mit Konvertiten wies mich lediglich einer darauf hin, daß seine Großmutter mütterlicherseits eine Waldenserin gewesen war, die bei der Heirat katholisch geworden war.
- Dieser Umstand hat mir während meiner Feldforschung viele Türen von alleine geöffnet. Die Feststellung des simpatizzante : "Es gibt Türen zu öffnen" erübrigte sich für mich fast vollständig: Als "Tochter von.." hatte ich einen lasciapassare . Dieser war noch mehr ein Freibrief, wenn ich als die "Cousine von.." vorgestellt wurde, die zum Zeitpunkt meiner Forschungen die vice-moderatrice der Tavola war, also die 2.höchste Repräsentantin der Kirchenorganisation.
- McKay (1982) unterschied: Ethnic traditionalists, Ethnic militants, Ethnic manipulators, Pseudo-ethnics, Symbolic ethnics (403-408).
- Der Aufsatz erschien erstmals 1988.
- Die erste Auflage des Handbuches erschien 1983. Die Auflage von 1988 ist eine "überarbeitete und erweiterte" Fassung".
- Diese Definition schließt zwar Nationalstaaten noch nicht davon aus, Akteure von Ethnizitätsprozessen zu sein, weil auch in ihnen, wenn man so will "die höchstmögliche Rate" an Endogamie erreicht wird. Meiner Meinung ist diese Interpretation von den Autoren jedoch deutlich nicht beabsichtigt.
- Indem zum Beispiel kulturelle Minderheiten ihr kulturelles "Anderssein" aufgeben und in der dominierenden Kultur "unsichtbar" werden, werden sie in den Nationalstaat eingegliedert.
- Die "affirmative actions" formulieren Sonderprogramme, Hilfsmittel und Quotenregelungen für Minderheiten.
- "Wenn Ihr eine innere Kraft haben werdet, werdet Ihr es schaffen, sonst werdet Ihr mit der Masse verwechselt werden und man wird nicht mehr von Euch reden hören. Eure Karriere... ist zu Ende, die alten Dinge sind vorbei, die neuen brechen an. Von nun an seid Ihr Missionare, oder Ihr seid nichts." [Übersetzung S.M.L.]
- In dieser Arbeit habe ich die kulturelle Andersartigkeit von Waldensern beschrieben, deshalb hoffe ich, daß dieser Satz den für die Waldenserkultur sensibilisierten Leser stört. Ich habe die Waldenserkultur durch die Beschreibung sichtbar gemacht. Das ändert jedoch nichts an der Tatsache, das man forma mentis nicht erkennt, wenn man sie nicht kennt.
- Hierin spiegelt sich meiner Meinung nach eine Grundphobie der Ethnologen wider, die Kulturkontakt, zumindest wenn er zwischen der "westlichen" Kultur und einer kleineren Gruppe stattfindet, nur in Termini des Verlustes lesen können. Dieses bestätigt die von Rosaldo thematisierte inoffizielle Klassifizierungsskala: Da nur die kleinere, nicht -"westlich-zivilisierte" Gruppe "Kultur hat", entsteht bei ihrer Veränderung zwangsläufig dieser Nostalgie-Effekt.
- Beide beschäftigen sich mit der "symbolic ethnicity", also jener Form von Ethnizität, die bei der 3. und 4. Generation von Einwandererfamilien in den USA beobachtet wurde.
- Smith stellt einen Zusammenhang her zwischen dem Erwähltheitsgedanken von Völkern und ethnischen Konflikten.
- Chicano-studies sehen sich bei der Einordnung in die ethnologische Diskussion vor einem ähnlichen Problem. Vergleiche dazu: Peñalosa, Fernando: Toward An Operational Definition of the Mexican American , in: Rosaldo, Renato (Hg.): Chicano, the evolution of a people, New York 1973, S.434-440. Dort heißt es :"Mexican Americans may costitute one of the most heterogeneous ethnic groups ever to be studied by sociologists" (ebenda: 434/435).
- Elwert bleibt leider durch sein Vokabular der genetischen Erklärung ethnischer Phänomene unwillentlich verhaftet. Dadurch entsteht ein Widerspruch. Er sagt zwar, daß man einer Ethnie beitreten kann, gleichzeitig sagt er aber, daß Ethnizität "vererbt" wird. Dadurch stellt sich die Frage nach der Ethnizität des Konvertiten.
- "Melting-pot " und "Multikulturalität" zählen als ideologische Konzepte des Ausschlusses zu der Fremdzuschreibung.
- Wie die historische Entwicklung in Europa zeigt, ist diese Option d.h. Toleranz gegenüber der Religionszugehörigkeit, noch nicht sehr alt. Im Zuge der Gegenreformation waren religiöse Minderheiten der Verfolgung und Vernichtung ausgesetzt. In diese Zeit fällt zum Beispiel auch die Vernichtung der kalabresischen Waldensergemeinden und die Zwangskonvertierung der Überlebenden. Im Faschismus wurde der Antisemitismus als Vehikel zur Massenmobilisierung mißbraucht und Religionszugehörigkeit ethnisch und also - von gefährlichen Definitionen von "Ethnie" abgeleitet - genetisch definiert. Im Jugoslawienkonflikt zeigt sich die Nähe zwischen Religion und Ethnizität, die beide zu Konstruktionen des Ausschlusses mißbraucht werden und an die eine gefährliche genetische Komponente geknüpft wird, die sowohl "ethnische Säuberungen" als auch Massenvergewaltigungen legitimiert.
- In ihrem Aufsatz unterscheidet die Autorin zwischen vier verschiedenen Varianten oder, wie sie es nennt, Kategorien: Sie unterscheidet zwischen 1) Traditionalisten, 2) Lubovitchern, deren Eltern Konvertiten waren und 3) Konvertiten. Die von ihr genannte vierte Kategorie entspricht den Marginalwaldensern des popolo valdese , ist bei ihr aber nicht weiter unterteilt (Levy 1973: 29/30). Dieses war der einzige mir zur Verfügung stehende Aufsatz, der Varianz innerhalb einer Gruppe thematisierte. Bezeichnenderweise löst sich auch hier die kulturelle Sichtbarkeit der Gruppe zunehmend auf:"My field observations reveal, however, that a large number of Lubovitch men do not fit this pattern [Kleiderordnung] and are thus undistinguishable by members of the larger society. Women are even less identifiable" (ebenda: 34).