Erstmals: Anthropos, 89, 1994, pp. 551-561
Computernetze verbinden die Wirkungsstätten von Wissenschaftlern in zunehmendem Maße. Nachdem der Aufbau solcher Verbindungen in Deutschland in den letzten Jahren - mit einiger Verzögerung, gemessen an der amerikanischen Entwicklung - systematisch erfolgte, ist nunmehr ein internationales, kostengünstiges (weil größtenteils kostenloses) Kommunikationsinstrument entstanden, das gerade auch für die Geisteswissenschaften - und somit für die Ethnologie - von großer Relevanz ist.
Folgende Anwendungen werden ermöglicht:
Bis auf die Benutzung einiger Datenbanken sind diese Dienste kostenfrei.
Es gibt jedoch Hemmschwellen, die verhindern, daß alle von dieser Option profitieren: Es fehlt an leicht verständlichen Einführungen, die wenig, oder besser gar keine Vorkenntnisse auf dem Gebiet der elektronischen Datenverarbeitung voraussetzen.
Für alle diejenigen, die schnell den Zugang zum Wissenschaftsnetz erlangen möchten, ohne den Anspruch zu haben, alle technischen Einzelheiten vollständig erklärt zu bekommen, ist diese Anleitung geschrieben.
Zum Internet sei hier nur kurz erläutert (vgl. Stoll 1991: 86-88): In den 60er Jahren wurden militärisch genutzte Computer in den USA miteinander verbunden. Die Defence Advanced Research Projects Agency entwickelte das DARPANET, zunächst als militärische Infrastruktur, die aber für zivile Zwecke als ARPANET und nunmehr als INTERNET zur Verfügung steht. Heute überwiegt die zivile Nutzung, denn schon aus Sicherheitsgründen findet militärische Forschung in völlig abgeschotteten Systemen statt. Den positiven "spinoff" dieses gigantischen Unternehmens stellt heute der Umstand dar, daß fast jeder Computer weltweit mit jedem anderen in Verbindung stehen kann.
Um in die Welt von Internet einzusteigen, benötigt man einen Rechner, auf dem das Betriebssystem UNIX installiert ist, und der an das Internet angeschlossen ist, sowie eine Benutzerkennung, die man bei dem dafür zuständigen Verwalter des örtlichen Rechenzentrums beantragt, dem sogenannten "dispatcher". Beides ist heute an jeder Universität in Deutschland vorhanden. Nach erfolgter Genehmigung wird eine Kennung und ein Paßwort mitgeteilt. Bevor man die Maschine benutzen kann, muß man sich "einloggen", d.h. die Kennung und das geheime Paßwort eingeben. Auf dem Bildschirm ist zu erkennen:
login (hier wird die Kennung eingegeben: z.B. alvl3); password (hier wird das Paßwort eingegeben: z.B. alv13pw).
Gleichzeitig richtet der Systemverwalter eine Mailbox ein, in der zukünftig die elektronische Post gesammelt wird. Nach Eingabe des Befehls "mail" listet der sogenannte Mailer (eine Software, die zur Verarbeitung elektronischer Post dient) die Überschriften der vorhandenen Post auf, in denen der Absender eine kurze Inhaltsangabe des Briefes angeben kann, oder antwortet "No mail for alv13". Sind Nachrichten vorhanden, genügt die Eingabe der entsprechenden Nummer, um sie anzuzeigen. Im oberen Bereich des Briefes befindet sich der meist umfangreiche Briefkopf, an dem man studieren kann, über wieviele Zwischenstationen die Post gelaufen ist. Wichtig ist natürlich der Absender und das Datum. In der Zeile "Subject" findet sich die Inhaltsangabe des Briefes. Ist der Brief vollständig angezeigt, erscheint auf dem Bildschirm ein [EOF]-Zeichen (End of file) und dann ein Prompt, z.B. (&). Man hat nun drei Optionen: Entweder [Return] zu drücken. um den nächsten Brief angezeigt zu bekommen, oder den Brief mit "s BriefNr. Dateiname" abzuspeichern. Die Eingabe von "r" ermöglicht es, direkt zu antworten. Das Programm erstellt dann automatisch den Briefkopf für die Antwort und setzt als Überschrift "Re: alter_Inhalt" in die entsprechende Zeile.
Nachdem die Nachricht eingegeben wurde, schließt man den Brief mit einem Punkt (.) ab. Der Punkt muß am Anfang einer sonst leeren Zeile stehen. Mitunter - je nach Voreinstellung des Mailprogramms - erscheint danach Cc: An eine hier eingegebene Adresse wird ein "Durchschlag" (carbon copy) der Nachricht an einen zweiten Teilnehmer geschickt. Der Befehl "s BriefNr. Dateiname" speichert jede beliebige Nachricht ab, "h" zeigt nochmals alle Inhalte an, und mit "d BriefNr.-BriefNr." werden eine oder mehrere Nachrichten gelöscht. Mit "x" verläßt man den Mailer, ohne daß er geleert wird, mit "q" veranlaßt man das Programm, alle Nachrichten in eine voreingestellte Datei namens "Mbox" zu kopieren.
Eine Nachricht kann direkt vom System-Prompt aus aufgegeben werden, indem das Mailprogram mit der entsprechenden Adresse aufgerufen wird:
"mail alv13@rs1.rrz.uni-koeln.de".
Es erscheint nun die Aufforderung, eine Überschrift anzugeben:
subject: Meine_Nachricht.
Danach wird die Nachricht eingegeben und der Brief mit einem Punkt abgeschlossen. Wenn man einen Brief auf einem PC vorbereitet (ASCII-Format) und ihn auf die UNIX-Maschine übertragen hat, kann man ihn als Datei einlesen. Nach dem Aufruf "mail" und der Eingabe der Überschrift wird am Anfang einer Zeile "~r Dateiname" eingegeben. Die Tilde ist wichtig, und kann mit Alt-126 erzeugt werden. Das Mailprogramm liest dann die entsprechende Datei ein. Dies ist praktisch, wenn selbst empfangene Nachrichten weitergeschickt und noch einige persönliche Worte an den neuen Empfänger hinzugefügt werden sollen. Ist der Brief fertig, kann er nach der Syntax "mail [Adresse] < [Dateiname]" auch direkt verschickt werden.
Die Optionen des Mailprogramms sind sehr umfangreich und können lange nicht alle hier erörtert werden: Innerhalb des Mailers bekommt man mit "help" oder "?" Hilfe.
Ein Tip noch: Wenn man beim Aufrufen von "mail" das Attribut "-v" anhängt, kann man mitverfolgen, wie die Post über die einzelnen Stationen von Rechner zu Rechner weitergegeben wird.
Innerhalb der benutzten Maschine stellt die Adressierung kein Problem
dar: Man schickt die Post mit dem Befehl "mail Benutzernummer"
einfach ab. Will man Post empfangen oder an entfernte Benutzer senden,
so muß, genauso wie bei der gelben Post, eine Adresse angegeben werden.
Die Art der Adressierung wird von den Konventionen des Netzes bestimmt, auf dem gearbeitet wird. Im Wissenschaftsbereich sind das eigentlich nur zwei Varianten: Die (aussterbende) Bitnet-Form, und die Internet-Adresse. Eine Internet-Adresse kann man am obigen Beispiel studieren:
"alv13@rs1.rrz.uni-koeln.de".
Man erkennt, ähnlich wie bei der "normalen" Post, eine hierarchische Struktur immer umfassender werdender Adreßbereiche: (von links nach rechts) Benutzernummer (alv13), Verknüpfungssymbol (@ ), Maschinenname (rs1) Kürzel der Organisation ("rrz" für Regionales Rechenzentrum), Abkürzung der Universität ("uni-koeln" für Universität zu Köln), Landeskennung ("de" für Deutschland).
Über die persönliche Internet-Adresse gibt es beim zuständigen Rechenzentrum Auskunft. Soll Post an einen solchen Adressentyp geschickt werden, geht das nach dem Schema "mail [vollständige_Internet-Adresse]". Ein zweiter Adressentyp, mit dem man mitunter konfrontiert wird, sind die BlTNET-Adressen (z.B. Frey and Adams 1990: 14):
"ccs021@ddohrz21".
Hier sind die Bereiche "andersherum" angeordnet: Benutzernummer (ccs021), Verknüpfungssymbol (@), Landeskennung ("d" für Deutschland). Universitätskennung ("do" für Dortmund). Kürzel der Organisation ("hrz" für Hochschulrechenzentrum), Kennung des Betriebssystems (2 für IBM OS/MVS), Nummer der Maschine (1).
Vom inzwischen weiter verbreiteten Internet aus muß an eine solche Adresse unbedingt ein "bitnet" angehängt werden, also:
"mail ccs02@ddohrz21.bitnet".
Nach diesem Prinzip sind fast alle gängigen Adressen organisiert, mit etwas Übung kann man also schon daran erkennen, wo jemand arbeitet und auf welcher Maschine. Die Landeskennungen sind in der Regel auch eindeutig, mit einer Ausnahme: Die Amerikaner hängen kein US an ihre Adressen, sondern sogenannte "top-level domains", die Auskunft über die Art der Organisation geben, an der die Benutzer arbeiten: "com" für commercial, "edu" für educational, "gov" für government, "mil" für military usw.
Läßt man die Benutzernummer und das Verknüpfungszeichen @ weg, ergibt sich aus dem Rest die Adresse des Rechners. Diese Adresse ist die Voraussetzung zum Einloggen in einen fremden Rechner. Sie kann auch numerisch dargestellt werden, ihre Anwendung geschieht analog: ethics.ethz.ch = 123.132.1.22.
Oft hat man nur Zugang zu einer Maschine. Die Benutzerkennung gilt nur
für diesen einen Bereich, und für den Zugang zu einem anderen
Rechner ist jeweils vom zuständigen Rechenzentrum wieder eine
Benutzernummer und eine Genehmigung nötig. Es gibt aber Ausnahmen:
Jeder über Internet erreichbare Rechner hat eine "Ecke",
einen frei zugänglichen Bereich, den sogenannten Ftp-Server. Mit
Ftp, dem "file transfer protocol" kann in einer
"anonymen" Sitzung dieser Bereich frei genutzt werden. Der
Ftp-Server bietet allerlei nützliche Software und diverse andere
Informationen in Textform, wie z.B. ausführliche Beschreibungen
zum Internet. Diese Software ist frei zugänglich und kann kopiert
werden. Dabei gilt: Man sollte zunächst den nächstgelegenen
Ftp-Server aufsuchen (den eigenen), bevor man anderswo in Deutschland,
Europa oder USA einsteigt - die Netze sind tagsüber sehr
überlastet, und Kosten sollten alle Beteiligten so niedrig wie
möglich halten.
So geht man vor:
Nach dem Einloggen wird vom System-Prompt aus Ftp und die gewünschte Maschinenadresse aufgerufen, z.B.
"ftp ucsbuxa.ucsb.edu" (Santa Barbara, Kalifornien).Es erscheint die Meldung: "You are connected to ..."
Als Benutzerkennung gibt man "anonymous" ein und als Paßwort seine vollständige Internet-Adresse.
Nachdem so der Zugang hergestellt wurde, kann man mit "ls" den Inhalt einsehen. Mit "cd Verzeichnisname" wird in ein Verzeichnis gewechselt, im obigen Fall etwa "cd hcf". Nun kann "Reach" abgerufen werden, der Nachrichtendienst der "Humanity Computing Facility" der Universität von Santa Barbara. "Get Dateiname" veranlaßt, daß die entsprechenden Daten in das Heimatverzeichnis kopiert werden, was je nach Umfang etwas dauern kann.
Programme liegen in der Regel in komprimierter Form vor: Man erkennt das an Extensionen, die auf "*.zip", "*.arc" oder "*.Z" enden. In allen Fallen muß der Server, bevor kopiert wird, mit "binary" auf das Versenden von Binärdateien umgestellt werden. "Gezipte" und "gearcte' Dateien können auf einem PC mit Programmen wie "Pkunzip.exe" oder "Arce.com" dekomprimiert werden. Files mit "*.Z" müssen mit den UNIX-Programm Uncompress ("uncompress Dateiname") umgewandelt werden.
Der Server wird mit "quit" verlassen. Textdateien, die eine Beschreibung der vorhandenen Software beinhalten, können mit "get Dateiname "| more"" auf dem Bildschirm angezeigt werden.
Ein weiterer sehr nützlicher Dienst, der durch Ftp verfügbar ist, sind die sogenannten "rfc's (request for comment) Files". Hier tauschen Internet Anwender ihre Erfahrungen in schriftlicher Form aus, und gerade für den Anfänger finden sich hier wertvolle Tips. Ein Beispiel:
FYI on Where to start - A Bibliography of Internetworking Information, rfc 1175 [ftp nic.ddn.mil, Verzeichis rfc:, Dateiname rfc175.txt; in Deutschland z.B.: ftp ftp.uni-koeln.de].
Ftp-Server in Deutschland und Europa:
Das größte MSDOS-Archiv wird auf wuarchive.wustl.edu bereitgehalten.
Telnet ist ein weiteres Protokoll zur Verbindung zweier Rechner. Prinzipiell kann jeder vernetzte Rechner über Telnet aufgerufen werden, wenn man die entsprechende Adresse kennt. Nach Eingabe von "telnet rs1.rrz.uni-koeln.de" beispielsweise wird der eigene Rechner mit dem Partner verbunden ("connected to..."). es erscheint die Aufforderung zum Einloggen und zum Eingeben des Kennworts. Besitzt man eine solche Zulassung, kann im anderen Rechner problemlos gearbeitet werden. Wie erwähnt, ist das eher selten. Bestimmte Rechnertypen sind aber zum allgemeinen Nutzen offen, und zwar die der Universitäten, deren Bibliothek einen sogenannten OPAC (Online Public Access Catalog) anbieten. Diese sind in Europa noch nicht so verbreitet (in Deutschland über Internet z.B. in Konstanz), doch Großbritannien bietet schon einige interessante Möglichkeiten. Besonders stark auf diesem Gebiet sind jedoch die Amerikaner, die ihre Systeme schon seit über zehn Jahren aufbauen. Hier sind große Verbundsysteme frei zugänglich und können zur Recherche benutzt werden - ganz praktisch für Literaturlisten und die Vorbereitung von Studienaufenthalten. Teilweise können Bücher bestellt werden und liegen dann am Zielort zur Abholung bereit. Es wird sicher nicht lange dauern, bis auch die deutschen Bibliotheken ihre Datenbestände auf diese Art anbieten. Köln bereitet die Überspielung zur Zeit vor. Ganz wichtig ist hier natürlich das Sammeln von Rechneradressen: Folgende Ftp-Server halten Kataloge bereit:
dla.ucop.edu, Verzeichnis pub/internet, Dateiname libcat-guide
oder:
ftp.unt.edu, Verzeichnis library, Dateiname libraries.txt
oder:
ftp.uni-stuttgart.de, Verzeichnis /pub/doc/resource-guide (Verschiedene
Dateinamen für die einzelnen Kapitel)
In diesen Verzeichnissen werden Bibliotheksrechner und deren Zugangsmöglichkeiten beschrieben. Mitunter wird der Terminaltyp abgefragt; gibt man hier "vt100" ein, klappt die Emulation in der Regel.
Beispiele: University of California. Melvyl Catalog telnet melvyl.ucop.edu oder: telnet 31.0.0.1 1 University of California. Berkeley - Gladis telnet gopac.berkeley.edu Colorado Alliance of Research Libraries - CARL telnet pac.carl.org oder: telnet 192.54.81.128 Harvard telnet hollis.harvard.edu (Hier gibt es eine spezielle Datenbank für ethnologische Literatur ab 1983, für die man allerdings eine besondere Zugangsberechtigung braucht.) Universität Konstanz telnet polydos.uni-konstanz.de 775 oder: telnet 134.34.3.5 Library of Congress telnet locis.loc.govTelnet verläßt man immer mit dem Escapecharacter "^]" und beim Erscheinen des Telnet-Prompt (telnet>) mit "quit", oder direkt aus den OPACs mit "logoff", "quit" oder "end".
In dem oben erwähnten Verzeichnis (Internet Resource-Guide) gibt es auch eine ausführliche Beschreibung von Datenbanken. Leider sind die meisten davon nicht frei zugänglich. Eine davon wurde hier bereits vorgestellt: nic.ddn.mil.
Dieser "säkularisierte" Militärcomputer dient als "Network Information Center" und enthält alle Adressen von über Internet erreichbaren Rechnern. Man kann ihn auch über Telnet anrufen und sich in seine Datenbank einloggen.
Kommunikation ist für jeden Wissenschaftler so wichtig wie die Luft
zum Atmen. Normalerweise geschieht der Austausch von Informationen
über das eigene Fachgebiet durch das Lesen wissenschaftlicher
Literatur, Gespräche mit Kollegen am Arbeitsplatz und auf
Konferenzen. Telefongespräche ins Ausland stellen aber schon so
etwas wie ein Problem dar. Nimmt man dagegen an einem elektronischen
Diskussionsforum teil, so wie sie für fast jedes Interessengebiet
von den sogenannten Listservern angeboten werden, so erhält man
täglich kostenlos Nachrichten und Beiträge von in- und
ausländischen Kollegen und kann seinerseits Beiträge sofort und
unentgeltlich zur Diskussion stellen. Das Ganze funktioniert so:
Listserver sind (virtuelle) Rechner, die Informationen sammeln und an eine Liste von Abonnenten verschicken. Viele amerikanische und auch einige deutsche Rechenzentren bieten einen solchen Service an. Über unix.hensa.ac.uk, im Verzeichnis /pub/uunet/inet/netinfo, kann die Datei "interestgroups.Z" (komprimiert) kopiert werden. In dieser umfangreichen "list of lists" werden einige Hundert Diskussionsforen beschrieben. Dort steht dann auch, wie man Mitglied werden, bzw. sich wieder abmelden kann. Ein Beispiel ausführlicher: Die für Ethnologen interessante Liste Anthro-L soll abonniert werden. Im Verzeichnis findet sich die Adresse des entsprechenden Listservers:
"listserv@ubvm.bitnet".
Die Bitte, als Abonnent aufgenommen zu werden, schickt man als gewöhnliche e-mail ab, indem als Adresse die Anschrift des Listservers eingegeben wird:
"mail listserv@ubvm.bitnet".
Die subject-Zeile kann leergelassen werden, als Nachricht gibt man
SUBSCRIBE ANTHRO-L Vorname Nachname
ein. Innerhalb von 24 Std. kommen die ersten Nachrichten. Einen Beitrag schickt man an die Liste selbst:
"mail anthro-l@ubvm.bitnet".
Der Inhalt wird an alle Abonnenten weitergeleitet. Zum Abmelden muß unbedingt der Listserver selbst angeschrieben werden:
"mail listserv@ubvm.bitnet";
subject: (nicht nötig)
"UNSUBSCRIBE ANTHRO-L".
Der Listserver hat also ein Programm. das gewisse Routinen selbständig ausführen kann. Ein Verwalter der Liste achtet darauf, daß kein Mißbrauch betrieben wird, etwa indem Nachrichten eingegeben werden, die die politischen oder religiösen Gefühle anderer verletzen konnten. Eine Liste aller Listserver-Kommandos erhält man, wenn an einen beliebigen Listserver die Nachricht
"INFO GENINTRO"
geschickt wird. Der nächstgelegene Listserver in Nordrhein-Westfalen ist DEARN (listserv@dearn.bitnet).
Der Umgangston auf den Listen ist eher informell, man redet sich mit dem Vornamen an. Die Verkehrssprache ist Englisch. Ansonsten gibt es keine Beschränkungen, außer der, daß man keinen kommerziellen Zwecken nachgehen darf, etwa durch das Versenden von Werbung.
Direkte, interaktive Kommunikation mit anderen Benutzern ist über
das Programm "Talk" möglich. Der Teilnehmer muß
natürlich an seinem Rechner sitzen. Dazu kann man sich zu einer
bestimmten Uhrzeit verabreden. Das Programm wird mit "talk
[InternetAdresse]" aufgerufen. Durch Pieptöne wird der
Teilnehmer auf der anderen Seite aufmerksam gemacht. Er antwortet mit
"talk [Partneradresse]". Nun teilt sich der Bildschirm, und
jeder Benutzer kann in seiner Hälfte, sichtbar für den
anderen, seine Eingabe machen. Diese Form der Kommunikation ist
kostenfrei und weltweit möglich.
Übrigens gibt es einen einzigartigen Weg, um auch mit der elektronischen Post Gefühle, Stimmungen, Ironie usw. auszudrücken, und zwar mit Hilfe der "emoticons". Das sind kleine Symbole, die an der entsprechenden Stelle in den Text eingebaut werden, z.B.
:-) (Smiley um 90 Grad verdreht). Wenn man traurig ist: :-(, oder auch ;-) (Smiley, der einem ein Auge zuzwinkert). Wir schicken jedem Interessenten ein kleines Lexikon!
Unter Usenet wird der weltweite Austausch von Informationen zu
wissenschaftlichen aber auch alltäglichen Themen verstanden.
Zusammengefaßt werden diese Informationen in "Newsgroups",
die entweder frei gehalten werden, d.h., jeder Artikel oder die
Reaktionen auf Artikel werden in jedem Fall aufgenommen, oder aber als
koordinierte Newsgroups, in denen ein Moderator über die Aufnahme
von Artikeln entscheidet. Genauso kann jeder eine neue Newsgroup bilden,
die dann, wenn sie nicht thematisch zu eng an schon bestehende
Newsgroups angelehnt ist, auch allgemein zugänglich wird. Es ist
ein Informationsaustausch, der sich dank seiner manchmal anarchisch
anmutenden Entwicklungsgeschichte weitgehend der Kontrolle von
privatwirtschaftlicher und staatlicher Seite entzieht. Dies ist nicht zu
unterschätzen, denn oft genug werden so schneller als über
offizielle Kanäle politisch- oder gesellschaftsrelevante
Informationen aus "geographisch marginalen" Gebieten
übermittelt.
Im Gegensatz zu den Listen liegt der Vorteil von Usenet darin, daß man ohne ein permanentes Abonnement jederzeit auf verschiedene thematische Informationen zurückgreifen kann. Relevante Artikel findet man dabei entweder über den Titel der Newsgroup oder aber über die Suche nach Schlagwörtern in der Subject-Zeile der einzelnen, publizierten Artikel.
Ein Artikel zu einer Newsgroup wird somit in kürzester Zeit über festgelegte Knotenpunkte an die entsprechenden UNIX-Maschinen verschickt und dort als News dem Benutzer angeboten. Aus der Vielzahl von Newsreadern soll hier das "nn news interface" vorgestellt werden:
"nn" wurde von F. Storm von Texas Instruments als "reader interface" entwickelt und 1989 herausgebracht. "nn" unterscheidet sich von anderen Programmen, indem es ein Menü mit Kurzinhalt und Verfasser des Artikels anbietet. So können Artikel vorsortiert, gelesen und als Datei abgespeichert werden. Hinzu kommt, daß "nn" eine besonders schnelle Software ist.
Ruft man zum ersten Mal "nn" auf, muß man darauf achten, daß er mit einem festen Terminalmodus (vtl00) arbeitet. Arbeitet der eigene Rechner nicht in diesem Modus, kann man ihn mit
"setenv TERM vtl00"
ändern. Darüber hinaus wird dem Benutzer beim ersten Aufrufen von "nn" der gesamte Katalog an Newsgroups angeboten. Dabei wird eine Datei mit dem Namen ".newsrc" erzeugt, die eine Liste der Namen aller Gruppen enthält. Mit einem Texteditor kann diese Liste den eigenen Bedürfnissen entsprechend verändert werden. Es ist möglich, sich auf einige Gruppen zu beschränken und diese ausschließlich zu lesen oder aber auch immer wieder eine einzelne Gruppe auszuwerten. An den Grundbefehl "nn" werden dann jeweils entsprechende Attribute angehängt. Mit "nn -g" kann jede beliebige Newsgroup angesprochen werden. Danach gibt man deren Namen ein. Ein Fragezeichen "?" bietet Hilfe an. Auch innerhalb des Menüs gibt "?" die entsprechende Hilfestellung für die Befehle. Darüber hinaus bietet "nn" aber auch eine Suche nach Schlüsselwortern, die in der Subject-Zeile enthalten sind, an:
"nn -s Suchbegriff'.
Eine ausführliche Erläuterung von "nn" erhält man in den meisten anonymen Ftp-Servern oder durch den Befehl "man nn".
Die Bezeichnung der Newsgroups ist entweder zwei oder dreiteilig. Einige für Ethnologen interessante Gruppen sind:
comp Gruppen mit Informationen über Computerhard- und -software, sci wissenschaftliche Newsgroups, soc gesellschaftliche Themen.
Es gibt eine spezielle Gruppe für Ethnologen: "sci.anthropology". Ein Thema der letzten Zeit war etwa eine ausführliche Diskussion über Feldforschungsmethoden und deren Vermittlung im universitären Bereich. Oft werden Bücher mit kurzen Inhaltsangaben vorgestellt. So bekommt man einen ganz guten Einblick über Neuerscheinungen in den USA. Im Falle der Suche nach Literatur oder Dokumenten kann man selber einen Hilferuf losschicken. Die Reaktionen sind im allgemeinen überwältigend. Regional interessanter erscheinen dafür aber einzelne "soc" Newsgroups. Sie unterteilen sich wiederum in:
soc.culture kulturrelevante Gruppen, soc.politics zu politischen Themen, soc.roots genealogische Fragestellungen, soc.religion religiöse Themen.Vor allem die zahlreichen "soc.culture"-Gruppen bieten zu regionalen Themen wichtige Informationen. Häufig werden hier interessante Artikel aus Tageszeitungen oder Zeitschriften weitergegeben. Es ist beispielsweise möglich, über "soc.culture.brazil" an tägliche Informationen über Brasilien zu gelangen, die innerhalb von 24 Stunden aus diesem Land übermittelt werden. Die Quelle ist dann z.B. "Bras-Net", das brasilianische Wissenschaftsnetz. Somit ist es möglich, ein elektronisches Archiv über politisches Tagesgeschehen anzulegen, in dem jederzeit recherchiert werden kann.
Neben den regionalen Informationen erhält man dank zahlreicher Anregungen auch Zugang zu regionalen Ftp-Servern oder regionalen Netzen. Nicht zuletzt ist die hohe Zahl an Ansprechpartnern. die häufig in den Regionen leben, über die man selber arbeitet, nicht zu verachten. Es ist ohne weiteres üblich, diese um Informationen oder kleinere Artikel via e-mail zu bitten.
Mitunter werden die Beiträge aus diesen Gruppen sogar von einzelnen Sammlern archiviert und über Internet zur Verfügung gestellt. Für Fragen zu Usenet gibt es ein internes Archiv, das man in "nn" direkt mit "nn -X" ansprechen kann.
Sucht man Artikel zu einer speziellen Fragestellung, so kann man diese im vorhandenen Archiv mit "nn -mxX -sSchlüsselwort" finden. Um Informationen über Usenet zu erhalten, genügt z.B. die Eingabe von "nn -mxX -sUsenet".
Eines der größten Probleme im Internet ist die Suche nach
Ressourcen. Wie läßt sich feststellen, ob eine bestimmte
Information vorhanden ist? Wie kann man sie lokalisieren und nutzen ? Im
Verlauf der letzten Jahre wurden einige Verfahren entwickelt, die diese
Suche erheblich erleichtern und die Nutzung des Internet wesentlich
effizienter machen .
Archie dient zur Suche in Ftp-Servern. Zur Zeit (Stand Sept. 92) bieten weltweit 1.200 Ftp-Server ca. 2.1 Millionen Dateien an.
Das Programm fragt regelmäßig (alle 30 Tage) eine große Anzahl der Ftp-Server ab und speichert die Inhaltsangaben in einer Datenbank, auf die man interaktiv oder per e-mail zugreifen kann. Bei einer Suchanfrage erhält man dann die Internet Adresse eines oder mehrerer Ftp-Server, die Dateien mit den gesuchten Informationen enthalten. Das Problem, das sich hier ergibt, besteht darin, daß Archie nur die Namen der Dateien kennt, nicht aber deren tatsächlichen Inhalt.
Hier besteht über den Befehl "whatis" die Möglichkeit, Inhaltsangaben zu erfragen. "Whatis" greift auf eine zweite Datenbank zu, die Archie aus den Indizes der Ftp-Server erstellt und in denen Angaben über den tatsächlichen Inhalt gemacht werden.
Es gibt drei Möglichkeiten. Kontakt mit Archie aufzunehmen. Entweder ist Archie als Client auf dem eigenen System installiert, oder der Zugang erfolgt über Telnet oder e-mail zu einem Archie-Server.
Die Suchanfrage wird direkt am System-Prompt formuliert:
"archie -Attribute [Zeichenkette]".
Mit den Attributen legt man in erster Linie die Genauigkeit fest, mit der Archie suchen soll:
Ein möglicher Suchauftrag konnte so aussehen:
"archie -s-5 Anthropology".
Das Programm sucht also einen Dateinamen, in dem die Zeichenkette "Anthropology" enthalten ist, ignoriert Abweichungen bei der Groß- und Kleinschreibung und listet die ersten fünf Suchergebnisse auf.
Die zweite Möglichkeit, eine Suchanfrage zu erstellen, besteht in dem Befehl "whatis". Die Befehlssyntax lautet:
"whatis Zeichenkette".
Das Programm sucht nun in der Indexdatenbank, die aus den Dateibeschreibungen der einzelner Ftp-Server erstellt wurde. Als Suchergebnis bekommt man einen Dateinamen mit einer kurzer Inhaltsbeschreibung. Um herauszufinden, wo diese Datei existiert, muß man eine zweite, wie oben beschriebene Suchanfrage abschicken und erhält nun auch die zu dem Dateinamen gehörige Adresse eines oder mehrerer Ftp-Server. Die Anfrage über "whatis" ist etwas umständlicher, dafür erhält man aber genauere Angaben.
Ist im eigenen System kein Archie-Client installiert, besteht die Möglichkeit, über Telnet einen Archie-Server zu erreichen. Welchen man hier auswählt, spielt im Grunde keine Rolle, denn alle verfügen über dieselben Informationen. Praktischerweise wählt man aber den am nächsten gelegenen, für Europa am besten:
"telnet archie.funet.fi".
Man loggt sich mit "archie" ein und erhält folgendes System-Prompt:
archie>.
Zu Beginn empfiehlt es sich zu prüfen. mit welcher Genauigkeit die Zeichenkette des Suchbegriffes behandelt wird. Das geschieht mit dem Befehl:
"show search".
Als Rückmeldung erhält man dann z.B.: "'search' (type string) has the value 'exact'."
Um eine andere Option zu wählen, gibt man ein:
"set search string type", wobei "type" folgende Attribute umfaßt:
exact Dateiname und Zeichenkette müssen genau übereinstimmen.
regex Schreibweise der Zeichenkette folgt UNIX-Konventionen.
sub Dateiname enthält die gesuchte Zeichenkette. Groß- und
Kleinschreibung werden ignoriert.
subcase Dateiname enthält die gesuchte Zeichenkette. Groß- und
Kleinschreibung werden beachtet.
Hat man die Suchbedingungen festgelegt, kann man in der unter 1) beschriebenen Weise arbeiten. Der Befehl, um eine Suchanfrage zu starten, ist allerdings etwas anders. Er lautet:
"prog Zeichenkette".
Um Archie zu verlassen, wählt man "quit", die Verbindung wird beendet.
Eine dritte Möglichkeit, mit Archie zu arbeiten, besteht darin, einem Archie-Server via e-mail eine Suchanfrage zu übermitteln. Das Ergebnis erhält man einige Zeit später ebenfalls durch e-mail vom Archie-Server. Dieses Verfahren mag sinnvoll sein, wenn man sich in der Zwischenzeit mit etwas anderem beschäftigen will, denn Archie braucht oft sehr lange, um einen Auftrag zu bearbeiten. Eine Archie-Recherche per e-mail sieht folgendermaßen aus:
"mail archie.funet.fi".
Die Subject-Zeile braucht nicht ausgefüllt zu werden, als Nachricht gibt man "Prog [Zeichenkette]" ein.
Wais ist ein Instrument zur Recherche in textorientierten Datenbanken.
Ebenso wie Archie sucht das Wais-System nicht nur in einem bestimmten
Rechner, sondern hat Zugriff auf weltweit ca. 250 Datenbanken (Sept.
92). Bei einer Recherche werden nacheinander alle dem Wais-System
angeschlossenen Server nach dem Stichwort durchsucht, und das Ergebnis
wird in "quantitativer" Rangfolge aufgelistet: Je öfter
der Suchbegriff in einem Dokument vorhanden ist, desto höher ist es in
der Liste plaziert. Die Dokumente können dann auf dem Bildschirm
gelesen und nach Belieben abgespeichert werden.
Es gibt verschiedene Möglichkeiten. mit Wais zu arbeiten: Entweder ist das System als Client auf dem Rechner installiert, oder man stellt über Telnet die Verbindung zu einem Wais-Clienten her. Die einfachste Möglichkeit ist die, Wais innerhalb des Gopher zu benutzen.
Die Konzeption eines Gopher-Servers besteht darin, Ressourcen und
Dienste verschiedenster Art zu bündeln und durch ein Menü zur
Verfügung zu stellen. Hat man sich für einen bestimmten
Menüpunkt entschieden, "organisiert" Gopher die Reise
durch das Datennetz, indem Telnet-Verbindungen herstellt werden, via Ftp
Software kopiert, eine Wais- oder Archie-Recherche gestartet oder ein
anderer Gopher-Server kontaktiert wird. Der große Vorteil besteht
darin, daß man sich nicht mehr darum kümmern muß, wo eine
bestimmte Information lokalisiert ist und durch welches Verfahren sie
verfügbar ist - man wird direkt mit der betreffenden Quelle
verbunden.
Um Gopher zu starten, muß der Rechner, mit dem man arbeitet, über ein Gopher-Client-Programm verfügen. Man ruft es auf, indem man am System-Prompt
"gopher"
eingibt. Kurz darauf erscheint das Menü des lokalen Gopher-Server. Welcher Gopher dabei kontaktiert wird, hängt von der Voreinstellung des Gopher-Client-Programms ab. Prinzipiell spielt es keine Rolle, welchen Server man wählt, denn jeder andere Gopher-Server ist innerhalb des Verbundes frei anwählbar. Allerdings verfügt jeder Gopher-Server neben einem allgemeinen Angebot, das bei jedem Gopher ähnlich ist, noch über "eigene Spezialitäten".
Es folgt ein Beispiel, wie man mit einem Gopher-Server arbeiten kann. Prinzipiell gilt aber, daß man durch einfaches Ausprobieren am schnellsten ein Gefühl dafür entwickelt, wie man sich mit Hilfe des Gopher durch das Internet bewegen kann. Ein typisches Eingangsmenü für einen Gopher-Server kann folgendermaßen aussehen:
INTERNET Gopher+ Information Client vl.2
Root gopher server: gopher2.tc.umn.edu
1. Information about Gopher/
2. Computer Information/
3. Discussion Groups
4. Fun & Games/
S. Internet File Server (ftp) Sites/
6. Libraries/
7. News/
X. Other Gopher and Information Servers/
? for help, q to quit, u to go up a menu
Page 1/1
Angenommen, man sucht nun Informationen über eine bestimmte Ethnie im südlichen Afrika, wie kann man vorgehen? Ausgehend von der Annahme, daß eine Bibliothek aus der entsprechenden Region ein größeres Literaturangebot hat als die eigene (eine Annahme, die nicht stimmen muß, aber es kommt auf einen Versuch an), kann man den Gopher benutzen, um herauszufinden, ob deren Bestand im Internet angeboten wird. Man wählt im Menü den Punkt 6, "Libraries". Folgendes Untermenü erscheint:
INTERNET Gopher+ Information Client v1.1
Libraries
1. Electronic Books/
2. Electronic Joumal Collection from ClCnet/
3. Information from the U S. Federal Government/
4. Library Catalogs via Telnet
5. Library of Congress Records/
6. Newspapers, Magazines, and Newsletters/
7. Reference Works/
? for help, q to quit, u to go up a menu
Page 2/1
INTERNET Gopher+ Information Client v1.1
Library Catalogs via Telnet
1. Libraries of the University of Minnesota Integrated
Network A..
2. Libraries of the University of Minnesota Integrated
Network B..
3. Library Catalogs at Other Institutions/
? for help, q to quit, u to go up a menu
Page 2/2
INTERNET Gopher+ Information Client v1.1
Library Catalogs at Other Institutions
1. United States/
2. Africa/
3. Australia/
4. Austria/
5. Belgium/
6. Canada/
7. Denmark/
8. Finnland/
9. usw.
? for help, u to go up a menu Page 2/3
INTERNET Gopher+ Information Client v1.1
Africa
1. Rhodes University
2. University of Natal - Durban.
3. University of Pretoria
? for help, u to go p a menu Page 2/4
Das Bedienungsprinzip ist bei jedem Gopher-Server gleich. Lediglich der Aufbau des Menüs ist je nach angebotenen Ressourcen unterschiedlich. Prinzipiell sind mit jedem Gopher die gleichen Ergebnisse zu erzielen, nur der Weg durch die Menüs kann unterschiedlich lang sein.
Das World-Wide Web (WWW) beruht auf der Idee, Informationen
kontextbezogen zu organisieren und unter einer einheitlichen
Benutzeroberfläche zugänglich zu machen. Auf den ersten Blick
scheint dies eine Art Gopher-Variante zu sein, tatsächlich geht das
WWW in seiner Konzeption aber weit über die Möglichkeiten des
Gopher hinaus. Das WWW arbeitet nach dem Hypertext-Prinzip: Ein Text
(oder jede andere Art von Information) wird nicht nur zweidimensional
dargestellt (d.h. sie kann von oben nach unten gelesen werden), sondern
es ist darüber hinaus möglich, an vordefinierten Stellen
(sogenannten "links") "in die Tiefe" zu gehen, um
weitere Informationen zu erhalten.
Prinzipiell lassen sich Informationen jeder Art in jeder beliebigen Weise miteinander verknüpfen. Das Instrument, mit dem man sich durch einen solchen "Informationskörper" bewegt, ist der sogenannte "browser", der die Konventionen festlegt nach denen z.B. ein "link" aktiviert wird, der sich den Weg merkt, den man durch einen Text genommen hat, so daß man mühelos wieder zum Ausgangspunkt zurückkehren kann und anderes mehr.
Die Idee, das Internet mit einem ähnlichen System zu organisieren, ist noch recht neu, das World-Wide Web ist noch nicht sehr weit gesponnen, aber es arbeitet bereits. Der grundsätzliche Unterschied zum Gopher besteht darin, daß dieser zwar an die Information heranführt (etwa eine Online-Datenbank via Telnet), man aber zum Lesen der Information das eigentliche Gopher-System verlassen muß und sich unter Umständen in einem unbekannten Recherche-System einer Datenbank wiederfindet, das man erst umständlich erlernen muß. Im WWW hingegen muß man nur den Browser bedienen, der mit einigen wenigen Befehlen beherrschbar ist. Darüber hinaus nutzt das WWW alle Möglichkeiten des Internet. Verweist eine Verbindung in einem Text auf ein Dokument, das in einem anderen Rechner lokalisiert ist, initiiert das WWW z.B. eine Telnet-Sitzung und bietet direkt den entsprechenden Text an. Die Konzeption des "linking" umfaßt (prinzipiell) alle verfügbaren Internet-Ressourcen. Ein Link kann z.B. bedeuten. daß auf eine weitere Informationsstruktur innerhalb des Rechners, in dem man sich gerade befindet, zurückgegriffen wird. Es kann sich dabei um einen Text handeln, eine Grafik, ein Tondokument, eine Datenbank oder ein Programm. Befindet sich das gewünschte Material außerhalb des eigenen Rechners, wird der Zugang hergestellt, indem das WWW
Um Zugang zum WWW zu erhalten, gibt man ein:
"telnet info.cern.ch".
Das Login passiert automatisch. Aus dem vielfältigen Angebot scheinen die "Coombs Paper Archives" (im Untermenü "Social Sciences") als für Ethnologen besonders geeignet.
Buba, Manfred
1991 Computernetze. Reinbek: Rowohlt.
Frey, Donnalyn, and Rick Adams
1990 !%@:: - A Directory of Electronic Mail Addressing and Networks.
Sebastopol: O'Reilly.
Heck, Hans-Joseph
1989 Standard-Betriebssystem UNIX. Reinbek: Rowohlt.
1991 Standard-Betriebssystem UNIX für Fortgeschrittene I. Reinbek:
Rowohlt.
Kortendick, Oliver und Thomas Franke
1994 Internet. Düsseldorf: Sybex.
Krol, Ed
1992 The Whole Internet. Sebastopol: O'Reilly.
Rosen, Kenneth H., Richard R. Rosinski, and James M. Farber
1990 UNIX System V Release 4: An Introduction. Berkeley: Osborne
McGraw-Hill.
Schnell, Rainer
1989 Möglichkeiten der Nutzung von BITNET in den
Sozialwissenschaften. ZA-Information 24: 101-115 (Zentralarchiv für
empirische Sozialforschung, Köln).
Stoll, Clifford
1991 Kuckucksei. Frankfurt: Fischer.